Willkommen in der digitalen Schwangerschaft
- conny

- 9. Jan.
- 3 Min. Lesezeit
Vom Mutter-Kind-Pass zum elektronischen Eltern-Kind-Pass

Die Schwangerschaft soll also digital werden. Schritt für Schritt verabschieden wir uns von einem der bekanntesten Begleiter werdender Eltern in Österreich: dem Mutter-Kind-Pass aus Papier. Was über Jahrzehnte hinweg zum Blättern, Reinschreiben, Sammeln und Mitnehmen gedacht war, wird nun in ein digitales System überführt – den elektronischen Eltern-Kind-Pass.
Ein kurzer Blick zurück:
Seit 52 Jahren begleitet der Mutter-Kind-Pass Schwangere und Familien in Österreich. Ein kleines gelbes Heft, randvoll mit Untersuchungen, Eintragungen, Ultraschallbildern und – ganz ehrlich – auch mit Kaffeeflecken, Knicken und öligen Rändern.
Seit 2024 werden nur noch ELTERN-Kind-Pässe gedruckt. Der Begriff „Mutter-Kind-Pass“ wird offiziell ausgeschlichen, auch wenn er im Sprachgebrauch noch fest verankert ist.
Der digitale Neustart – mit österreichischem Zeitgefühl
Der finale Start des elektronischen Eltern-Kind-Passes wurde bereits mehrfach verschoben. Überraschend ? Nicht wirklich. Aktuell nennt man von ministerieller Seite den Zeitraum 2026/2027 – eine Angabe, die noch genügend Spielraum lässt.
Ab diesem Zeitpunkt sollen alle Schwangerschaften, Geburten und die ersten fünf Lebensjahre der Kinder ausschließlich digital verwaltet werden. Kein Durchblättern mehr, kein Reinschreiben, kein spontanes Vorzeigen des Passes aus der Tasche.Was bleibt – und was kommt:
Unverändert verpflichtend für den Bezug des Kinderbetreuungsgeldes bleiben die 5 Untersuchungen in der Schwangerschaft und die 5 Untersuchungen im ersten Lebensjahr des Kindes.Neu im elektronischen Eltern-Kind-Pass werden sein:
eine zusätzliche Hebammenberatung (derzeit noch freiwillig),
eine weitere Ultraschalluntersuchung sowie ein Gesundheitsgespräch mit Fokus auf psychosoziale Belastungen.Stand jetzt 01/26 ist: das Papier lebt noch.
Viele Schwangere halten bereits die Version mit der Aufschrift Eltern-Kind-Pass in den Händen. Inhaltlich ist dieser aber kaum verändert worden.
Als Hebamme weiß ich schon beim Anfassen, wie sorgsam (oder auch nicht) mit diesem Dokument umgegangen wurde.
Liebevoll in eine Stoffhülle verpackt oder in einer Plastikhülle vollgestopft mit Ultraschallbildern.
Elektronisch macht das unsichtbar, was mir bisher schon einen kleinen Eindruck vorab geben konnte.
Untersuchungen, Befunde und Entwicklungsschritte werden künftig sauber abgespeichert. Kein Vergessen mehr, kein „Der Pass liegt zu Hause“, kein „Ups, der Hund hat ihn gefressen“.
Dafür gibt es jetzt Passwörter, Zugriffsrechte, Freigaben – und die leise Hoffnung, dass WLAN und System immer funktionieren.
Für Eltern bedeutet das: jederzeit Zugriff auf alle Informationen.
Für uns Hebammen bedeutet es: weniger Papier, mehr Bildschirm. Ich schaue also nicht mehr nur werdenden Eltern in die Augen, sondern auch regelmäßig auf den Laptop, in Programme und warte Ladebalken ab. Fortschritt nennt man das.
Natürlich hat der elektronische Eltern-Kind-Pass klare Vorteile, denn Daten gehen nicht verloren, Informationen sind überall verfügbar und die Zusammenarbeit zwischen Ärzt:innen, Hebammen und anderen Fachpersonen könnte besser werden - obwohl... das bleibt abzuwarten. Und vorausgesetzt, alle spielen mit – und die Technik tut, was sie soll.
Als Hebamme kommt meine berufsbedingte Begleiterscheinung hinzu, die mir verwehrt, dass ich mich auf die Technik alleine verlassen kann. Denn was kein System ersetzt und auch der beste Pass – egal ob digital oder auf Papier – sind die persönlichen Gespräche, das Zuhören, ein Bauchgefühl haben, die Individualität eines Menschen erkennen.
Schwangerschaft und Elternschaft lassen sich nicht digitalisieren. Zum Glück.
Mein Fazit als Hebamme:
Der elektronische Eltern-Kind-Pass wird kommen, um zu bleiben.
Wir werden lernen, mit ihm zu arbeiten, über ihn zu schmunzeln und uns manchmal über ihn zu ärgern.
Also bleibt eigentlich alles wie es ist ;))
Höre dazu ab kommender Woche auch meine aktuelle Podcast Folge auf Spotify oder Apple Podcasts



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